Interkulturelle Beziehungen - Mein Freund hat eine andere Religion als ich oder kommt aus einem anderen kulturellen Umfeld

Was heißt eigentlich „interkulturell“? „Inter“ bedeutet zwischen. „Interkulturell“ meint also: zwischen zwei Kulturen. Das kann bedeutet, dass dein Partner eine andere Religion hat als du, oder dass ihr aus unterschiedlichen Ländern stammt.
 

Das Wichtigste in Kürze:

Für eine gelingende interkulturelle Partnerschaft sind einige Punkte sehr wichtig. Gegenseitige Akzeptanz und Toleranz der jeweiligen Religion, Kultur und Tradition. Abklären welchen und inwiefern die Eltern Einfluss auf euren Partner haben. Gemeinsame Werte und Traditionen finden. Kompromisse schließen. Sich nicht unter Druck setzen lassen. 

 

Wie wichtig ist dir deine Religion und wie wichtig ist ihm seine Religion?

Zwei Hände bilden ein Herz

Interkulturelle Beziehungen können super funktionieren. Allerdings solltet ihr euch vorher ein paar Gedanken machen. Als erstes solltest du herausfinden, wie wichtig deinem Partner oder dir deine Religion ist und wie sie ausgelebt wird. Religion und dazugehörige Traditionen können einen großen Einfluss auf Menschen nehmen. Wenn deinem Freund bestimmte Traditionen wichtig sind und dir nicht, kann es passieren, dass er sehr hohe Erwartungen an dich hat und dich in eine Rolle drängen möchte, in der du dich nicht wohl fühlst. Das kann zu Konflikten führen. Andererseits können dir auch Traditionen wichtig sein, die deinem Partner nicht wichtig sind. Wenn man dabei sehr unflexibel ist und wenig Verständnis für die jeweils andere Religion oder das kulturelle Umfeld hat, kann das zu Frustration führen.

Was denkt die Familie über eure Beziehung?

Manche Eltern verbieten eine Beziehung, weil du und dein Freund verschiedene Religionen oder Kulturen haben. Eltern haben dann vielleicht Angst vor dem „Unbekanntem“ und „Neuem“ und sagen, dass bei einem Jungen aus der gleichen Religion oder aus dem gleichen, kulturellen Umfeld die Gemeinsamkeiten größer sind. Manche Familien sind auch sehr traditionell und es ist ihnen wichtig, dass man in einer Beziehung die gleiche religiöse Einstellung hat. Manchmal kommt auch Druck von den Großeltern auf die Eltern. Oder sie denken, dass ein andersgläubiger Freund ein Zeichen dafür ist, dass Mädchen ihre eigene Kultur oder Religion verlieren.

Diese Argumentationen sind oft religiös begründet, dann wird zum Beispiel gesagt, dass im Koran stehen würde, dass man nur eine Beziehung zu einem Muslim haben darf. Das ist eine schwierige Begründung, da religiöse Werke unterschiedlich ausgelegt werden können.

Eltern können einen großen Einfluss auf ihre Kinder haben. Du solltest herausfinden, ob dein Freund trotzdem zu dir hält, auch wenn seine Eltern dich nicht akzeptieren. Andersherum funktioniert das genauso: Wie wichtig ist dir die Meinung deiner Eltern? Zwischen der Familie und der Partnerschaft zu entscheiden ist total schwierig. Sich gegen die Familie zu stellen, kann schlimme Konsequenzen haben. Zum Beispiel dass die Familie den Kontakt abbricht. Klärt also von Anfang an, wie wichtig es euch ist, dass eure Familie hinter euch steht.

Findet Gemeinsamkeiten!

Einen Partner zu haben, der eine andere Religion als du selbst hast, oder aus einem anderen kulturellen Umfeld stammt, kann sehr bereichernd sein. Findet gemeinsam Werte und Traditionen, nach denen ihr leben könnt. Du kannst mit deinem Partner gemeinsam Sitten und Gebräuche feiern, auch wenn er nicht derselben Religion angehört. Ihr könnt zum Beispiel einen Kompromiss schließen und aus jeder Religion etwas mitnehmen. Toleranz und Akzeptanz sind hier wichtig. Seid beide offen für die Religion und Kultur des anderen.

Was ist, wenn es Probleme gibt?

Interkulturelle Beziehungen können wunderbar und bereichernd sein. Wie in allen Beziehungen kann es aber auch Probleme geben. Wenn du Sorge hast, wie deine Eltern auf deine Beziehung reagieren könnten, oder wenn du dich von deinem Partner falsch behandelt fühlst, melde dich gerne bei uns in der Fachberatungsstelle gegen Zwangsheirat.